Nutcracker

Das Ballett ist eine klassische Form des Bühnentanzes, die sich seit dem 15. Jahrhundert (Renaissance) als getanzte Einlage oder als vollständiges Bühnenwerk an den italienischen Fürstenhöfen entwickelt hat. Ballett - Techniken sind stilisierte Bewegungen und Positionen, die im Lauf der Jahrhunderte ausgearbeitet und kodifiziert wurden und ein festgelegtes, wenn auch flexibles System bilden, das akademisches Ballett oder danse d'école genannt wird. Zur Tanzkomposition gehören Musik, Bühnenbild, Beleuchtung und Kostüm. Da die Schritte erstmals in Frankreich benannt und in ein System gebracht wurden, ist Französisch die internationale Sprache des Balletts.

Elaine Mayerhofer als Carmen

Die Grundlage der Ballett - Technik ist die auswärts gedrehte Position der Beine und Füße. Ballett umfaßt fünf spezifische Fußpositionen, die Ausgangspunkt fast aller Ballettschritte sind. Entsprechende Positionen sind auch für die Armhaltung vorgeschrieben, wobei die Ellbogen meist leicht abgebogen sind.

Besonders wichtig für die Technik ist Vertikalität. Da die Bewegungen der Beine und Arme von der vertikalen Körperachse ausgehen, müssen alle Glieder genau zentriert und ausgerichtet sein, um Stabilität und Leichtigkeit der Bewegungen zu gewährleisten. Der Spitzentanz entstand Anfang des 19. Jahrhunderts, konnte sich aber erst in den dreißiger Jahren bei den Ballett - Tänzern durchsetzen, als die schwedisch - italienische Ballerina Marie Taglioni mit der poetischen Wirkung dieser Tanzform überzeugte.

Es gibt verschiedene Systeme des Ballett - Trainings, die nach Ländern (Rußland bzw. Frankreich) oder nach Lehrern (dem italienischen Tänzer Enrico Cecchetti und dem dänischen Choreographen August Bournonville) benannt sind. Sie unterscheiden sich jedoch mehr in stilistischer Hinsicht als in den Bewegungen, die sie lehren.

Die wichtigsten Ballett - Posen sind die Arabesque, bei der ein Bein durchgestreckt nach hinten hochgezogen wird, und die Attitüde, bei der ein Bein nach vorne oder hinten mit abgebogenem Knie gezogen wird. Drehungen sind u. a. die Pirouette, bei der auf einem Bein, das andere erhoben, gedreht wird, und die Fouetté, bei der durch das freie Bein die Bewegungsenergie gewonnen wird. Zu den Sprüngen gehören der Entrechat (der Tänzer springt gerade hoch und schlägt in der Luft die Waden zusammen) und der Jeté (ein Sprung von einem Bein auf das andere). Zu den aufgeführten Schritten gibt es unzählige Varianten.

Neben dem Grundunterricht besuchen Frauen oft auch Übungen zum Spitzentanz. Einige Ballettschulen unterrichten auch Pantomime (die stumme theatralische Darstellung, bei der nur Gebärden, Gesten und Bewegungen die Handlung ausdrücken), die in älteren Balletten wie Giselle und Schwanensee verwendet wurden.

Ein Ballett kann entweder nach einer Musik choreographiert werden, die dafür komponiert wurde, oder nach bereits bestehender. Vor dem 20. Jahrhundert war es allgemein üblich, Musik für ein Ballett zu komponieren. Oft arbeiteten Choreograph und Komponist dabei eng zusammen.
Das Choreographieren zu bereits bestehender Musik ist eine Entwicklung des 20. Jahrhunderts. Die amerikanische Tänzerin Isadora Duncan tanzte als eine der Pionierinnen des Modern Dance oft zu Musik von Komponisten wie Ludwig van Beethoven und Frédéric Chopin.
Die Handlung des Balletts wird Libretto oder Szenario genannt. Sie kann entweder für ein Ballett geschrieben oder aus literarischen Werken, Dramen oder Opern übernommen werden. Neben dem Handlungsballett gibt es auch Ballette ohne Handlung, die eine Stimmung schaffen, ein musikalisches Werk interpretieren oder auch nur den Tanz als ästhetisches Ereignis in den Vordergrund stellen.

Anfangs wurde auf der Bühne nur die klassisch einfache Kleidung getragen. Das Tutu, ein glockenförmiger Rock aus durchscheinendem Stoff, kam durch Marie Taglionis Auftritt in La Sylphide (1832) in Mode. Im Lauf des Jahrhunderts wurde es immer kürzer und entwickelte sich zum Standardkostüm der Ballerina.

Unter dem Einfluß des russischen Choreographen Michail Fokin wurden die Ballettkostüme im 20. Jahrhundert wieder vielfältiger. Heutzutage treten die Tänzer in den verschiedensten Kostümen auf, auch in dem einfachen Übungsdress, das im Unterricht getragen wird. Erstmals wurde es von dem russisch - amerikanischen Choreographen George Balanchine verwendet.